Wochenausblick · Makro & Märkte
KW 44/2026: Der DAX zwischen Konjunkturerholung und Zinsdruck
Der DAX hat den Rücksetzer der Vorwoche weitgehend aufgeholt und notiert vor der Fed-Entscheidung heute Abend und der EZB morgen knapp unter dem Oktoberhoch von 25.706 Punkten. Das Umfeld bleibt zweigeteilt: Die deutsche Konjunktur erholt sich spürbar, während hohe Ölpreise und gestiegene Zinsen die Bewertungen deckeln.
Hinweis: Dieser Ausblick wurde vor der Fed-Entscheidung am 28.10. um 19:00 Uhr und vor den Quartalszahlen von Alphabet und Microsoft geschrieben. Deren Ergebnisse sind noch nicht berücksichtigt.
Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland: ifo-Index steigt zum sechsten Mal in Folge auf 90,2 – die Industrie dreht erstmals seit über drei Jahren ins Plus.
- Notenbanken: Fed (heute, 19:00 Uhr) und EZB (Donnerstag, 14:15 Uhr) – nach Zinserhöhungen im September wird jeweils eine Pause erwartet.
- Energie: Brent um 111–116 US-Dollar, getrieben von der Lage am Persischen Golf.
- USA: Die Tech-Berichtssaison (Alphabet, Microsoft, Amazon) entscheidet, ob der KI-Trade wieder Tritt fasst.
Makro Deutschland: Die Industrie meldet sich zurück
Das ifo-Geschäftsklima stieg im Oktober auf 90,2 Punkte (September: 89,9; Konsens: 90,0) – der sechste Anstieg in Folge und der höchste Stand seit Mai 2023. Getragen wurde das Plus von den Erwartungen (91,6 nach 90,4), während die Lagebeurteilung leicht auf 88,8 nachgab.
- Verarbeitendes Gewerbe: Lage und Erwartungen erstmals seit mehr als drei Jahren wieder im positiven Bereich; mehr Neuaufträge, steigende Produktionspläne.
- Dienstleister: Dämpfer bei der aktuellen Lage, IT-Dienstleister als positive Ausnahme.
- Handel: unverändert; Bau: spürbar besser.
Meine Einordnung: Der Aufschwung wird vor allem von staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung angeschoben. Das ifo erwartet nach einem stagnierenden dritten Quartal ein gutes Schlussquartal; die Bundesregierung rechnet für 2026 mit 1,3 % Wachstum. Für den Aktienmarkt heißt das: Zykliker und Industriewerte im MDAX und SDAX haben fundamentalen Rückenwind – solange Energiepreise und Zinsen nicht weiter steigen.
Deutscher Aktienmarkt: Seitwärts mit Aufwärtsneigung
Der DAX pendelt seit Wochen zwischen 25.000 und 25.700 Punkten, gut 1.000 Punkte unter seinem Allzeithoch von 26.620. Die Vorwoche endete nach einem gescheiterten Ausbruchsversuch mit rund −1,8 % bei 25.154 Punkten – ausgelöst vom Kursrutsch an der Nasdaq und Sorgen um Frankreich. Seit Montag hat der Index den Großteil wieder aufgeholt: +0,9 % auf 25.411, dann +0,7 % auf 25.591 Punkte.
- Technik: Der DAX steckt zwischen 50- und 200-Tage-Linie; das Oktoberhoch bei 25.706 ist die nächste Hürde, 25.000 die zentrale Unterstützung.
- Stimmung: Der VDAX liegt mit knapp 21 im oberen Normalbereich – erhöhte Nervosität, aber keine Panik.
- Nebenwerte: Der MDAX notiert bei rund 30.450 Punkten und hat die Freitagsverluste ebenfalls aufgeholt.
Berichtssaison – die Ausreißer der Woche:
| Unternehmen | Reaktion | Treiber |
|---|---|---|
| Deutsche Bank | ca. +3,5 % | Erneuter Rekordgewinn im Q3; Erträge könnten 33 Mrd. € übertreffen |
| BASF | leicht schwankend | Q3 besser als erwartet, Jahresausblick angehoben – hohe Erwartungen bereits eingepreist |
| Symrise | ca. −10 % | Margenziel impliziert langsameres Wachstum im Q4 |
Das Muster: Der Markt belohnt Banken und Industrie, bestraft aber jede Enttäuschung bei teuer bewerteten Qualitätswerten konsequent.
Europa: EZB im Dilemma, Frankreich als Risikoherd
Die EZB entscheidet am Donnerstag um 14:15 Uhr; erwartet wird eine Pause beim Einlagesatz von 2,50 %, nachdem sie die Zinsen 2026 bereits zweimal angehoben hat. Das Dilemma: Die Inflation im Euroraum sprang im September auf 3,8 %, vor allem wegen der Energiepreise – gleichzeitig hat die EZB ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,8 % gesenkt. Neue Projektionen gibt es erst im Dezember; entscheidend ist daher, ob Lagarde die Tür für eine weitere Erhöhung am 17. Dezember offenhält.
Der eigentliche Risikoherd heißt Frankreich. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg erstmals seit 2002 über 5 %, der Abstand zur Bundesanleihe weitete sich am 22. Oktober zeitweise auf rund 178 Basispunkte – den höchsten Wert seit der Schuldenkrise 2011. Hintergrund sind Massenproteste gegen die Lebenshaltungskosten und ein festgefahrener Haushaltsstreit.
Für deutsche Anleger relevant: Steigende Peripherie-Renditen verteuern die Finanzierung im gesamten Euroraum und haben den Euro unter 1,12 US-Dollar gedrückt. Die Bundesanleihe profitiert relativ als sicherer Hafen – ein Übergreifen auf Italien wäre aber das Szenario, das auch den DAX klar belasten würde.
USA und Global: Fed, Big Tech und Öl
Heute Abend um 19:00 Uhr entscheidet die Fed; nach der überraschenden Zinserhöhung im September auf 3,75–4,00 % wird ein unveränderter Zielkorridor erwartet. Wichtiger als der Entscheid selbst ist der Ton von Fed-Chef Warsh: Mit zehnjährigen US-Renditen um 5 % reagiert der Markt empfindlich auf jedes Signal weiterer Straffung.
Die US-Berichtssaison erreicht ihren Höhepunkt. Alphabet und Microsoft berichten heute nach Börsenschluss, Amazon folgt am Donnerstag. Im Kern geht es um eine Frage: Verdienen die Hyperscaler mit ihren KI-Investitionen schon genug, um die Ausgaben zu rechtfertigen?
- Vorwoche: Die Nasdaq verlor am 22. Oktober 2,6 %, nachdem Meta trotz besserer Zahlen höhere Ausgaben ankündigte; Meta plant inzwischen eine Kapitalerhöhung von rund 97,5 Mrd. US-Dollar.
- Erholung: Seit Montag stützen Chipwerte und der Börsengang-Antrag von Anthropic den Tech-Sektor; der S&P 500 schloss am Dienstag bei 7.729 Punkten.
- Warnsignal: RBC hält kurzfristig einen Rücksetzer von 5–10 % in den Bereich 7.000–7.400 Punkte für möglich.
Öl bleibt der Störfaktor. Brent notiert zwischen 111 und 116 US-Dollar und damit nahe dem höchsten Stand seit dem Frühjahr – getrieben von Angriffen auf Ölinfrastruktur am Golf und Sorgen um die Straße von Hormus. Für die energieintensive deutsche Industrie und die Inflation im Euroraum ist das der wichtigste externe Risikofaktor.
Termine bis 6. November
Die nächsten sieben Handelstage bringen den Höhepunkt der deutschen Berichtssaison, die US-Midterms und den US-Arbeitsmarktbericht. Alle Zeiten MEZ.
| Datum | Deutschland | Europa / USA |
|---|---|---|
| Do 29.10. | VW, Adidas, MTU, Knorr-Bremse, Wacker, Kion, Aixtron | EZB-Zinsentscheid (14:15); US-BIP Q3; Amazon, Intel nachbörslich |
| Fr 30.10. | BIP Q3, Arbeitsmarkt, Verbraucherpreise Okt. (14:00); Puma, Fuchs | Eurozone-BIP Q3; Frankreich BIP & Inflation |
| Mo 02.11. | Einkaufsmanager Industrie | ISM Industrie; Apple, Palantir |
| Di 03.11. | Bayer, Lufthansa, Evonik, Zalando, Schaeffler, Hugo Boss | US-Midterms; AMD |
| Mi 04.11. | BMW, Continental, Fresenius, Vonovia, Siltronic | Eurozone-Inflation Okt. (vorläufig); Novo Nordisk |
| Do 05.11. | Telekom, DHL, Commerzbank, Rheinmetall, Renk, Hensoldt, Healthineers, Nordex, Lanxess | BoE-Zinsentscheid; ISM Dienste |
| Fr 06.11. | Industrieproduktion Sep.; Daimler Truck, Krones | US-Arbeitsmarktbericht Okt. |
Fazit
Der deutsche Markt steht fundamental besser da, als die Schlagzeilen vermuten lassen: Die Industrie erholt sich, die Banken verdienen Rekordsummen, und die Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung wirken. Gebremst wird der DAX von außen – durch Öl über 110 US-Dollar, US-Renditen um 5 % und die Unsicherheit in Frankreich.
Für die kommenden Tage bleibt die Spanne von 25.000 bis 25.700 Punkten maßgeblich. Ein Ausbruch nach oben bräuchte überzeugende Tech-Zahlen aus den USA und keine neuen Zinssignale von Fed und EZB. Ich bevorzuge weiterhin Unternehmen mit inländischem Investitionsrückenwind und meide Titel, deren Bewertung keinen Raum für Enttäuschungen lässt.
Quellen: ifo Institut · Reuters/onvista · dpa-AFX/ariva · euronews · investing.com · dpa-AFX Wochenvorschau
Offenlegung: Der Autor kann in den genannten Aktien investiert sein, auch über das Wikifolio PerceptiveInvesting. Kurs- und Konjunkturdaten Stand 28.10.2026, mittags; sie können sich jederzeit ändern. Alle Angaben ohne Gewähr.
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