Aktie im Fokus · Quartalszahlen
SAP nach Q3 2026: Starke Zahlen mit Sternchen
SAP hat im dritten Quartal 2026 die Erwartungen auf ganzer Linie übertroffen. Die wichtigste Zahl ist der Cloud-Auftragsbestand. Er zeigt, welche Cloud-Umsätze für die nächsten zwölf Monate bereits vertraglich gesichert sind. Mit einem Plus von 26 % (währungsbereinigt) ist die Sorge vor einer Abschwächung vorerst vom Tisch.
Die Zahlen gegen die Erwartungen
| Kennzahl | Ist Q3 2026 | Erwartet | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Cloud-Auftragsbestand (wb.) | +26 % | +24,7 % | +1,3 Pp |
| Cloud-Umsatz | 6,67 Mrd. € | 6,58 Mrd. € | +1,4 % |
| Konzernumsatz | 10,27 Mrd. € | 10,12 Mrd. € | +1,5 % |
| Betriebsergebnis (Non-IFRS) | 3,03 Mrd. € | ~2,94 Mrd. € | +3,1 % |
| Gewinn je Aktie (Non-IFRS) | 1,89 € | 1,82 € | +3,8 % |
| Free Cashflow | 1,72 Mrd. € | 1,70 Mrd. € | in line |
Zum ersten Mal hat SAP in einem einzigen Quartal mehr als 10 Mrd. € Umsatz und mehr als 3 Mrd. € Betriebsergebnis erzielt.
Aber: Zwei Sondereffekte
- Nachholeffekt in der Cloud: Einige Kunden, die zuvor in finanziellen Schwierigkeiten steckten, zahlen wieder. Dadurch wird Umsatz aus mehreren Quartalen auf einmal verbucht. Der Sprung beim Cloud-Wachstum von 24 % auf 25 % ist also teilweise einmalig. Rechnet man ihn heraus, liegt der Cloud-Umsatz etwa auf Erwartungsniveau.
- Schwaches Vorjahresquartal: Q3 2025 war mit rund 0,1 Mrd. € aus einem Steuer-Rechtsstreit und Restrukturierungen belastet. Bereinigt wächst das Betriebsergebnis eher um rund 14 % statt um die gemeldeten 18 %.
Unterm Strich: Der Ergebnis-Beat ist kleiner, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Der echte Beat ist der Auftragsbestand, und der ist von keinem Sondereffekt verzerrt.
Die Schwachstellen
- Die Bruttomarge im Cloud-Geschäft sinkt um 0,8 Prozentpunkte auf 74,3 %.
- Support (−5 %) und Services (−4 %) gehen zurück. Das ist bei der Umstellung auf die Cloud zu erwarten, kostet aber Umsatz.
- Rund 49 Mio. € Umsatz stammen aus Zukäufen (Reltio, Dremio, Prior Labs) und sind damit nicht organisch.
Der Ausblick: Der Joker heißt 2027
Für 2026 erwartet SAP den Cloud-Umsatz jetzt am oberen Ende der Spanne von 25,8 bis 26,2 Mrd. €. Die Prognose für das Betriebsergebnis von 11,8 bis 12,2 Mrd. € bleibt dagegen nur bestätigt.
Spannender ist 2027. Das Umsatzwachstum soll sich beschleunigen. Gleichzeitig sollen die Kosten nur mit 80 bis 90 % des Umsatzwachstums steigen. Wenn beides eintritt, steigt die Marge weiter, und der Gewinn wächst schneller als der Umsatz.
Ein erster Bewertungsansatz
Setzt man für 2026 einen Gewinn je Aktie von 7,29 € und ein KGV von 30 an, ergibt sich:
7,29 € × 30 = 218,70 €
Das wären rund 6 % Potenzial zum Kurs von 206,55 €. Der Markt bewertet aber längst das Jahr 2027, und genau dort entsteht der Hebel aus Wachstum und Margenausweitung.
Das Risiko: Das vierte Quartal
Laut Finanzvorstand fällt rund die Hälfte der jährlichen Buchungen ins Schlussquartal. Bleiben dort große Abschlüsse aus, gerät die Wachstumsstory schnell unter Druck.
Die volle Bewertung gibt es in Insight Pro
Im Deep Dive für Mitglieder rechne ich SAP komplett durch:
- Herleitung des Gewinns je Aktie für 2027 aus der Kostenzusage
- Bär-, Basis- und Bull-Szenario mit Kurszielen
- Welches KGV für SAP wirklich fair ist und warum
- Bereinigungsrechnung der Sondereffekte im Detail
- Mein Fazit und die offenen Fragen an das Management
Offenlegung: Der Autor kann in der besprochenen Aktie investiert sein, auch über das Wikifolio PerceptiveInvesting. Die Zahlen stammen aus dem SAP Quarterly Statement Q3 2026 sowie aus eigenen Berechnungen und Schätzungen. Sie können sich jederzeit ändern.
Jeden Montag eine Analyse wie diese.
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